Südengland 2014

Wir schreiben das Jahr 2014, den 8. Mai, ein Donnerstag. Es regnet, 3-4 Bf aus West.

Ideale Bedingungen um die restliche Ausrüstung und Verpflegung auf das Boot zu bringen und Morgen zeitig gen Norden zu segeln. Nach Norden?? Du willst doch nach England?? Ja, aber wir haben Zeit. Es wäre ja nett über den Limfjord, die nordfriesische Küste über Sylt, Helgoland nach Holland...... Mooment, seit wann planen wir so genau??

Zunächst geht es über Marstall, Nyborg nach Ballen auf Langör. Die Orte sind dem Ostseesegler hinlänglich bekannt und brauchen keine weitere Beschreibung. Wir haben aber ein Problem. Jedesmal, wenn der Motor auf Drehzahl kommt beim An- und Ablegen, ertönte ein Alarm. Zunächst nur kurz, dann länger, dann nur noch durchgehend. Was man nie tun sollte ist--- einen Alarm ignorieren. Die Lichtmaschine regelt offenbar nicht wie sie es mal gelernt haben sollte.

Fragen von Unterwegs ins Forum bringen schon mal Anhaltspunkte aber keinen Durchbruch. Ich versuche es mal mit Kontakt- Spray weil es ja oft nur ein Kabel sein kann. Es hilft scheinbar aber der Alarm bleibt. Mit diesem Zustand längere Zeit zu segeln und möglicherweise im Ausland eine Volvo- Lima kaufen zu müssen.... nein. Wir drehen um. Unser Ziel ist Kappeln, weil es hier mehrere Motorschrauber gibt. Beim ASC angekommen treffe ich Frank, schildere mein Problem, er hat auch sofort Jörg Hagge gewinnen können der sich das Lima-Problem ansieht. Die Kabel durchgemessen, den neuen Diodenverteiler geprüft.... neee alles in bester Ordnung. Bau die Lima aus, ich rufe Willi an, der war früher bei Bosch, der kann helfen.


Kappeln


Zwei Tage später ist die Lichtmaschine wieder an den Motor geflanscht und tut was sie tun soll. Was war geschehen?? Direkt über der Lima war eine Schelle.... diese hat in unbeobachteten Momenten immer mal einen winzigen Tropfen fallen lassen... genau in die Weichteile... hierdurch ist eine Diode ganz weg die zweite zur Hälfte weggegammelt. Willi ist ein Superschrauber!! Er hat neue Dioden eingelötet (einen Ersatzregler gibt es für dieses Modell noch nicht-- ist zu neu). Ärgerlich das alles, aber wenigstens nicht zu teuer. Die Lima hat das ganze Jahr über durchgehalten.
Zufrieden legen wir ab und gehen gemütlich hinter der Maas (Maasholm) ankern.

Nächsten Morgen geht es Anker auf zunächst nach Strande zum Diesel bunkern und weiter in den Kanal. Wir kommen gut rein und motoren noch bis Kanal Km 82. hier geht es auf den Flemmhuder See auf dem man innerhalb der gelben Bojen ankern darf. Das Land darf also nicht betreten werden.

       
                                         Übernachtungsplätze am NOK


Kleiner Exkurs zum Übernachten auf dem NOK. Man muss gar nicht 10 Std. durch motoren. Oft bleiben wir auch zuerst vor der Schleuse in Kiel- Holtenau liegen. An den Pfählen der Nordseite gibt es viele Plätze, leider ohne Wasser und Strom und unbenutzbarer Dusche und WC. Ein abendlicher Spaziergang zu dem schönsten Leuchtturm überhaupt unterbrochen von ein oder zwei lecker Bierchen an der Promenade. Nur ca. 10 Km (1 Std.) bei Km 82 ist der Flemmhuder See, weitere 20 Km ist schon Rendsburg mit zahlreichen Häfen, nochmal 20 Km bei ca. Km 42 sind Stege vor der Gieselau Kanal Schleuse. Hier könnte man weiter nach Tönning über die Eider fahren. Weitere 20 Km weiter bei Hochdonn sind Pfähle frei in einer Ausbuchtung die für eine Übernachtung von Sportbooten geschaffen wurde. Dann kommt Brunsbüttel wo man vor der Schleuse innerhalb des Kanals sehr gut übernachten kann.

Nach einer ruhigen Nacht geht der Anker auf und wir motoren nach Brunsbüttel. Am nächste Tag warten wir auf die richtige Tide die uns mit ablaufend Strom schnell nach Cuxhaven bringt. Hier machen wir erstmal einen Hafentag. Cuxhaven gefällt uns. Wir leihen uns Fahrräder und ich strampel mal schnell zu einem Hafenkiosk an dem frische Krabben verkauft werden. 500 g sind schnell gepult, meine Liebste bereitet inzwischen die Rühreier und Bratkartoffel vor. Was gibs schöneres als die Nordsee- Rührei mit Krabben- und ein Bier ?? (Naja.... die Ostsee- Dorsch- und Weißwein vielleicht)


  Cuxhaven


Mit den Fahrrädern fahren wir die Döse entlang nach Duhnen. Hier gibs lecker Kaffee mit einem riesen Tortenstück. Schon dafür lohnt das Radeln. Wir schieben mit dem Fahrrad durch den Ort und radeln dann zurück zum SVC. Die Museums- Anlage am Amerika Hafen, dem Auswanderer Terminal haben wir uns vor Jahren angesehen und kann ich nur zur Besichtigung empfehlen. Man wird durch sehr eindrucksvolle Räume geführt. Von hier sind damals die meisten Deutschen und Osteuropäer ausgewandert.

                                                                                                        
                                          Amerikahafen

Wir wandern am nächsten morgen bei Hochwasser auch aus und besuchen unsere einzige Hochseeinsel - Helgoland. Die 38 nm entfernte Insel lockt wegen des günstigen Dieselpreises. Bei 1,08 € mache ich Tank und Ersatzkanister voll (der Normalpreis in Cux . lag so bei 1,50 /ltr.)

Die nicht erhobene Mehrwertsteuer reizt uns aber nicht auch andere Dinge zu kaufen. Alkohol trinken wir nicht und Bier kaufen wir eh günstiger in Heiligenhafen und 500 Dosen Bier an Bord ordentlich einzulagern würde jetzt ja auch viel Arbeit machen. Wir genießen noch einen vorsaisonalen Abend und segeln nächsten Tag 42 nm nach Norderney.


  Kurpark



Am nächsten Morgen, es ist inzwischen der 26. Mai, legen wir kurz vor Hochwasser ab und nehmen die Tide gut mit. Unser Ziel ist eigentlich Lauwersoog, aber es kommt mal wieder anders. Mit Tidenwechsel nimmt der Wind zu und frischt langsam und beständig auf 6 Bf auf. Er kommt zwar aus Ost- Nordost, aber die Welle macht sich schnell bemerkbar. Wir sind ja nicht auf der Flucht (was ein geflügeltes Wort bei uns an Bord ist) also belassen wir es für heute mit 35 nm bis Borkum. Hinter Hohes Riff bei Borkum lässt die Welle dann natürlich sehr schön nach, ich muss aber doch sehr stark reffen. So wird es eine gemütliche Sonennscheinfahrt nach Borkum.

An Port Henry fahren wir vorbei, der sah immer noch sehr marode aus, wir fahren in den Burkana- Hafen und legen uns in Lee der großen Pontons. Leider ist der Ort so weit vom Hafen entfernt, dass man schon mit dem Bus oder der Nostalgiebahn in den Ort müsste. Wir sparen uns das, denn morgen früh geht es weiter.

Friesland

Der Wind hat inzwischen auf 7 Bf zugenommen. Wir überlegen nicht lange und fahren weiter landeinwärts um in Delfzijl (gespr.: delfzeil) die stehende Mastrute bis Lemmer zu motoren. Die Entscheidung erwies sich für uns als richtig. Wir sind bei kälte und bedecktem Himmel losgefahren. Im Kanal wurde es dann deutlich wärmer, weniger windig und die Sonne kam dann auch noch durch. Wenn man möchte, kann man in Delfzijl in den Innenhafen gehen. Es ist ein hübscher holländischer Ort, wie wir noch viele sehen werden. Wir sind aber nach einer Gesamtstrecke von 37 nm - Borkum bis Groningen früh genug im Hafen fest um ein holländisches Dreigängemenue zu uns zu nehmen:

Loempis - Frühlingsrollen die überwiegend von Vietnamesen verkauft werden
Kibbelings - frittierte Dorsch- und/oder Lachsstückchen im Teigmantel mit Knoblauch
junge Meisje- der neue Hering- wir würden Matjes dazu sagen- die holländischen sind bedeutend besser.

  Groningen



Am nächsten Tag regnet es. Wir bleiben noch und wandern durch die Stadt. 200.000 Einwohner, schöner alter Bahnhof, viel Sehenswertes. Viele eilige Krawattenträger. Heute ist auch noch Markttag und wir können uns mit preiswerten Tomaten, Gurken, Salat und anderen Leckereien eindecken. Die Blumen und dabei auch der Preis der Blumen überwältigt uns fast. Leider haben sie nichts an Bord zu suchen. Ein Basilikumtopf ist ja auch irgendwie "Grünes". Morgen ist Himmelfahrt. Um neun Uhr morgens geht ein erster Konvoi durch die Stadt. Wer weiter will sollte sich diesem anschließen.





Gemeinsam geht es durch die Innenstadt, es werden nach und nach alle notwendigen Brücken geöffnet, so kommen wir ohne Stress durch.

 
 Bahnhof
  
Ruderverein

 Wir tuckern weitere 25 nm durch das Lauwersmeer bis Lunegat. Quer durch schöne Landschaft, Felder eigentlich nur Natur.




 Unser nächstes Ziel ist Dokkum



  Hier kommen wir in einen Friesland Lauf oder Wanderung. Jeden Tag ein weiterer Ort, begleitet von Wohnschiffen, viel Spaß und noch mehr Kostüme. Es werden auch mal eben die Brücken für zwei Stunden gesperrt damit die Läufer unbehindert weiter kommen.






 Dokkum ist noch als Wallfahrtsort bekannt in dem 754 Bonifatius ermordet wurde.









 Weiter geht über Burdat....
......Brücke auf, reinfahren, Brücke zu....... Brückerwärter radelt- freundlich links und rechts die Einheimischen grüßend - zur nächsten Brücke, stellt die Ampel auf rot/grün, Brücke auf, durchfahren- doch halt!! Brückenzoll entrichten ( 2€ ) und jetzt weiter. Köstlich. Ein sehr kleiner aber romantischer Ort.

Burdat



 Leeuwarden kommt. Sie ist die Hauptstadt Frieslands. Hier kann man in dem alten Burggraben anlegen. Ein wenig auf die überhängenden Äste achten. Segler können nicht überall fest machen. Es gibt Strom, Wasser und ordentliche Duschen. Ein kurzer Weg nur in die Stadt. Der erste Blick fällt zuerst auf den Turm, der sich schon mehrere Meter geneigt hat und man nicht unbedingt da drunter stehen möchte. Die Stadt selber ist sauber wie eigentlich alles in Holland.
Hier kann man schon mal mehrere Hafentage verbringen. Ich hab es mal auf vier gebracht, weil es so windig war, dass ein Weiterkommen sinnlos war. Wir aber legen ab und fahren den Kanal noch in den Abendstunden weiter nach. Palma. Dort machen wir fest und genießen den Abend.

Am nächsten Tag legen wir ab und fahren nach Sneek


Eine Abendwanderung geht einmal um die Altstadt.

Wir motoren aus Sneek raus und tuckern Richtung Lemmer.....wir sind durch Grou durch sehen plötzlich ein Schild. Da stand was mit gesperrt. OK schauen wir mal. Und richtig, da haben sie doch glatt bei OUDE SCHOUW die Brücke gesperrt, Durchfahrt nur bis neun Meter. Ah.. deshalb das Schild. Zwei oder drei Boote kamen noch bis zur gesperrten Brücke hinterher. Stand da nicht auch ein Umleitungshinweis?? Wir fahren hundert Meter zurück. Nach Plan und Kartenplotter sollen wir einen Kanal langfahren, der sich bis Akkrum dahin-mäandert auf pralle 1,50 m Tiefe laut Plan und Plotter. Und das bei unserer Tauchtiefe von 1,85 m . Alternativ wäre der Umweg zurück nach Lauwersoog und außen weiter. Vorher probiere ich aber mal ob man doch da durch kommt. Kurz gesagt- es ging. Die Logge zeigte zwar 0,00 an, es schien auch mal "langsam" zu werden aber wir kommen bis Akkum. Diese paar Meilen Umweg waren richtig schön. Extrem schmal, überhängende Weiden auf der einen, Kühe auf der anderen Seite. Auch Akkrum macht einen sehr quirligen Eindruck. Leider ist dar Hafen sehr eng und auch wegen der Wassertiefe fahren wir lieber im Konvoi weiter. Das war mal ein schöner Umweg. Nach Zahlung von Brückenzoll sind wir bald wieder im Sneeker Meer, Prins Margriet Kanal, Große Brekken und kommen nach einer Pause in Sneek nach Lemmer.

IJsselmeer

In Lemmer fahren wir nicht in die Pr.Margriet Kanal Schleuse sondern biegen links ab, auch an IJselmar vorbei - außen am Gästesteiger liegt so eine 1060er Bavaria, ist aber keiner an Bord -- ein kleines Stückchen weiter fahren wir durch die erste Brücke und legen uns links an die Grasnarbe. Ein wunderschönes ruhiges Plätzchen- sogar mit Stromanschluß und netter Kassiererin. Es ist Montag, und von unseren Freunden in Lemmer ist natürlich niemand da. Von hier kommen wir zu Fuß nach wenigen Metern in die Innenstadt mit hervorragenden Einkaufsmöglichkeiten und Esslokalen.



Wir beschließen noch eine IJsselmeer- Rundfahrt bis zum Wochenende zu machen. Auf gehts durch die Stadtschleuse ( 5€ Brückengeld) ins IJsselmeer nach das bis dahin uns unbekannte URK. Urk war zur Zeiten der Zuiderzee, also vor dem Bau der seeseitigen Sperrwerke, eine Insel. Mit dem Bau des Abschlussdeiches entstand das IJsselmmeer und ein riesiges Süsswasser Freizeitgebiet . Die 16 nm bis URK sind schnell abgehakt...... leider auch für die Sonne die seit Tagen scheint und wärmt. jetzt regnet es erstmal. Zeit für einen Hafentag. Der erste Eindruck von Urk ist OK, wenn man dann aber durch die kleinen Gassen geht, bekommt man schon den Eindruck dass die Schipper hier weggezogen sind. Gaststätten und Läden sind noch ausreichen vorhanden. Eine große Fischverwertung deutet darauf hin, dass es noch sehr viele Urker Fischer gibt. Im Wattenmeer haben wir immer wieder Kutter mit dem Heimathafen von Urk gesehen.

Hafen


Vorgarten

Fazit.... netter Hafen, muss man mal gewesen sein.

Nächstes Ziel ist Edam . Wir binden in De Zewang an. Hier gibt es Fahrräder mit denen wir nach Edam fahren. Wäre heute Mittwoch, würden wir zum Käsemarkt gehen. Hier wird Theater- mäßig ein Käsemarkt aus früheren Zeiten mit so ca. 30 Darstellern aufgeführt. Es werden reichlich Käse- Probierhäppchen gereicht, die von den zahlreichen Zuschauern gerne angenommen werden. Kaufen kann man auch, die Preise liegen aber kurioser Weise deutlich höher als bei uns. Nicht nur hier wegen der Veranstaltung, sondern auch im Supermarkt.

Hotel am Kanal

Das Wochenende naht und wir segeln über das Meer zurück nach Lemmer. Samstag sind sie dann alle da. Wir machen ein kleines gemischtes Forums- Treffen. Die meisten kenne ich schon, aber immer wieder schüttelt man Hände mit jemanden den man schon schriftlich lange kennt. Ich liebe diese Treffen.



Zwischendurch besuche ich noch Rolf auf seiner noch vor Tagen verlassenen Bavaria in Iselmar um ihn zu gratulieren. Ein Chartersegler wird Eigner.

Wer noch mehr von mir über Holland lesen möchte --- ich habe 2010 mehr über das IJsselmeer und Südholland geschrieben. Hier geht es zum Blog.

Nach einem schönen Wochenende zieht es uns weiter. Wir wollen uns die neue Schleuse in Stavoren ansehen. Vor der alten Schleuse haben sich immer sehr lange Schlangen von Sportbooten gebildet. So haben die Holländer, in der für unsere Vorstellung unfassbarer zwei Jahre, einschließlich Planung, eine weitere Schleuse gebaut. Schnell sind wir durch und bekommen gleich links an der Grasnarbe einen ruhigen Platz mit einer schönen Aussicht über den Hafen.









Am nächsten Tag zieht es uns weiter nach Texel . Die 24 nm sind bei auffrischenden Wind schnell geschafft. Texel ist die südlichste der friesischen und nordholländischen Inseln gut 500 km² groß mit 30 km Sandstrand. Sehr beliebt bei Urlaubern und Seglern. Mancher verbringt schon mal eine ganze Woche hier. Der Hafen liegt, wie alle Inselhäfen, auf der Wattenseite . Um zum Strand zu kommen müsste man also quer über die Insel tappern. Wir begnügen uns mit einem Rundgang in Oudeschild.






Sicher eine Schöne Insel aber der Wind ist gut....

.... für IJmuiden . Hier, am Ausgang des Nordzee - kanals der direkt nach Amsterdam führt, wurde die Seaport Marina 1994 erstellt und ist bei Tag und Nacht gut anzulaufen. Freie Plätze gibt es reichlich. Nur wenn man hier nach Schließung des Hafenmeister- Büros ankommt, kann mal leider nur mit Kreditkarte die Gebühren entrichten. Auf der Quittung befindet sich der Einlasscode. Ohne diesen kommt man nicht wieder zu seinem Boot, geschweige denn in die Sanitäranlagen. Wenn man aber mal über den Deich kuckt, sieht man einen hundert Meter breiten Sandstrand der sich endlose Kilometer nach Süden Richtung Den Haag zieht. Gut für eine ausgedehnte Wanderung.









Wie segeln weiter zu einem für uns schönsten Ort an der Holländischen Nordseeküste--- nach Scheveningen . Nur 24 nm weiter tuckern wir in das Seebad von Den Haag. Eine riesige Einfahrt mit mächtigen Molenwänden deuten auf die Kräfte der Nordsee hin, wenn der Sturm auf die Küste schlägt. Es geht einen lange Kanal hinein und durch weitere mächtige Schutzwände zunächst in den Fischereihafen. Der Hafenmeister beobachtet die Ein- und Auslaufenden Schiffe, denn hier gibt es noch eine aktive Fischanlandestelle. Einlaufend beobachte ich wie ich mit einem grünen Leitfeuer in den Hafen geleitet werde.

Scheveningen





Wir fahren in den Fischereihafen und biegen gleich nach Steuerbord in eine schmale Gasse ein die zum Yachthafen führt. Hinter hohen Häusern und einer hohen Kaimauer liegt man sehr schön windgeschützt an Fingersteigern. Zu Stoßzeiten wird man sogar vom Hafenmeister auf freie Plätze verwiesen. Kleiner Tipp... der erste Wink geht vorne in die Päckchen- Abteilung. Ein ablehnender Wink von uns zeig aber eine "Päckchenablehnung"an. Er nennt uns dann einen freien Platz der in die zugegeben enge Stelle bei den Schwimmstegen hinten herum führt. Nicht umsonst ist die Päckchenliege- Abteilung so voll dass man abends quer über die Boote gehen kann.

Es ist Lunch- Time .... hier gab es einen hervorragendes Toast.






Wir bleiben zwei Tage und genießen dieses wunderschöne Seebad.










Die Pier war leider nicht zu besichtigen, da sie durch einen Brand schwer geschädigt wurde. Die Zukunft ist wohl noch ungewiss.



Scheveningen ist das Zentrum für den Neuen Hering....


..... wo anders könnte man mich finden..


 Die beschädigte Pier und der wirklich traumhafte Strand


Eines von mindestens hundert Lokalen direkt auf dem Strand

.... nur für uns :)

Auch wenn es noch so schön war, es gibt noch mehr zu entdecken.
Wir binden ab und vor uns liegt eine anspruchsvolle Querung bevor. Auf der Nordsee, im Tidengewässer, haben wir ja wieder Strom, den man beachten kann oder auch sollte. Da wir aber die letzten Tage nicht nur schönen Sonnenschein haben sondern auch ordentlichen Ostwind, also von achtern oder schräg achtern, ignorieren wir den Strom, binden morgens ab und fahren los. Der Strom kommt schon mal von vorne. Wir können aber immer deutlich mehr an Strecke über Grund laufen. Man kommt in alle Häfen auch bei Niedrigwasser hinein. Ein wenig anders plane ich aber für die Vorbeifahrt an der Einfahrt Hoeg van Holland, der Hafeneifahrt von Rotterdam. Als ehemaliger Elbesegler bin ich schon einiges an Großschifffahrt gewohnt, dieses toppt aber alles. Hier sehen wir ständig ein- und auslaufende Riesenfrachter, Containerschiffe und Autofähren. Dazwischen dann viele Kleinfahrzeuge und nicht zuletzt Lotsenboote. Ich plane also so, dass ich vor der Einfahrt guten Tidenstrom mit habe, der Wind schiebt gut mit und der Motor ist startbereit. Die UKW- Funke ist an.

Auf die Anmeldung bei der Revierzentrale verzichte ich lieber. Ob das jetzt gut ist?? Wenn man mir aber sagt, ich müsse eine halbe Stunde noch warten vor dem Passieren, dann hänge ich diese Zeit in heftigem Schwell --- wenn man mich nicht auch ganz vergißt. Nein, dann lieber auf eigene Gefahr (Verantwortlich bleibe ich ja sowieso). Für uns Segler gibt es in der Seekarte (und Plotter) einen genauen Weg, den wir einhalten sollen. dieser führt recht dicht an der Einfahrt vorbei. Das ist auch gut so, denn die Schiffe fahren wie in einem riesigen Trichter auf die Einfahrt zu und so ist dicht vor der Einfahrt auch der kürzeste Weg zum Queren. Dank AIS (Automatisches Identifizierungs System) kann ich genau sehen wer kommt und wie schnell. So passe ich einen günstigen Augenblick ab und bin schnell durch. Vorher ist es schon spannend--- wenn man durch ist fragt man sich was denn los war.

Auch dieses mal war nichts annähernd Gefährliches für uns und wir laufen nach ca. 35 nm in den Haringvliet ein. Wir sind in Zeeland.

Zeeland

 Im Haringvliet angekommen übernachten wir in Hellevoetsluis, um am nächsten Tag weiter zur alten Festung Willemstad zu segeln. Diese alten Anlagen in Nord Brabant laden zum Spaziergang ein und wird auch von vielen Yachten und sogar Fahrgastschiffen angelaufen. Es ist ein Knotenpunkt von unserer Route außen rum und der Stehenden Mastroute durch das Binnenland. Um Binnen zu fahren hätte man in Amsterdam zu Mitternacht im Konvoi durch die Stadt fahren müssen. Das soll sehr schön sein, weil auch einige Nachtschwärmer an den Ufern stehen. Alles ist beleuchtet.... oder aber, wem die Nachtfahrt nicht liegt ...biegt man kurz vor IJmuiden in den Kanal ab nach Haarlem, Lingen, Gouda an Rotterdam vorbei nach Dordrecht um dann nach vier oder mehr Tagen in Willenstad und dem Hollands Diep anzukommen. Es ist auch eine schöne Strecke, die ein Ostseesegler gefahren sein muss.

Gegen Abend legen wir ab, weil es vor der Volkerag Schleuse eine schöne Ankerbucht gibt, die wir anlaufen wollen. Dann geht es weiter durch die Volkerak-Schleuse den Volkerak hoch durch die Kramer-Schleuse, an den Muscheln und Austernbänken vorbei durch die Grevelingen-Sluis in das Grevelinger Meer. Wir binden in Bruinisse an. Diese aktionsreiche und auch schöne Fahrt war ganze 14 nm weit. Hier wollte ich eigentlich in dem kleinen Verkaufsladen der Muschelverwertung mir ein Dutzend Austern kaufen die ich hier schon mal für 75 c bekommen habe. Leider sind keine vorrätig (nicht verkriegbar). Da ich aber Muscheln lieber im Lokal esse, begnügen wir uns mit einer Wanderung durch den Ort.



Weiter geht es zurück in das Mastgat, durch die Osterschelde nach Kortgene, weitere 16 nm. Die Marina verlangt hier schon deutlich höhere Preise für die Übernachtung. Es ist aber aller Komfort vorhanden. Der kleine hübsche Ort lässt sich leicht umwandern. Der nächste Tag führt uns weitere 16 nm durch das Verse Meer, über Veere, durch den Kanal Door Walcheren über Middelburg nach Vlissingen.


                                Middelburg und der Neue Hering

Damit sind wir an der Wester- Schelde, dem letzten Delta des Rhein- Maas- Schelde- Delta, genannt Zeeland, angekommen.

Vlissingen

                                Vlissingen, der Stadthafen


                                Promenade


                                Lotsenhafen, dahinter Yachthafen


Eigentlich wollen wir einen Hafentag an diesem Seebad verbummeln..... es kommt mal wieder anders. In Vlissingen finden "Sporttage" statt. Einen Hinweis finde ich nicht aber dafür viele Aktivitäten. Die Lautesten waren das 24 Std. Spinning (Fahrradergometer) an denen Sportvereine, Firmen und auch Einzelpersonen teilnahmen. Viele andere "Bewegungen" und Anleitungen für Bewegungs- Therapie. Zum Abschluss fand noch ein Lauf durch den Ort statt. Nach zwei schönen Tagen binden wir Holland ab und fahren bei wenig abgelaufenem Wasser durch die Brücke.


Wir queren die Westerschelde, achten wieder auf den starken Großschiff- Verkehr von und nach Antwerpen, ich grüße diese doofe rote Tonne, die ich letztes Jahr touschiert hatte- die Schramme am Rumpf betrachte als Mahnung nicht träumend im Sonnenschein den Gezeitenstrom zu missachten...... Nach wenigen Meilen an der holländischen Küste entlang beginnt die belgische Küste. Wir segeln noch an Blankenberge vorbei und kommen nach 29 nm nach Oostende.



                                Oostende Promenade


Wenn man an Blankenberge vorbeisegelt und nach Oostende einläuft, sieht man an der Belgischen Küste vor den Orten einen großen Block. Mehr als 100 m lang 30- 40 m hoch. Hochhäuser. Die Belgier sind recht unglücklich und nennen es Bausünden. Jedoch hinter diesen Blocks findet man dann aber liebliche und nette Städte. Viel Leben, viele Kneipen und gute Einkaufsmöglichkeiten. In Blankenberge wie in Oostende.


                               Der Yachthafen von Oostende


Die Ansteuerung ist recht einfach, in Blankenberge sollte man nicht zu kurz vor oder nach Niedrigwasser einlaufen, Oostende ist ein reiner Seehafen der auch von größeren Schiffen angelaufen wird. Bein Einlaufen in den Yachthafen muss man auf die Fähren achten, die mit hoher Geschwindigkeit aus dem Hafen kommen können. Die Ausfahrt wird von einer Ampel geregelt. Oostende ist auch ein guter Absprunghafen nach England. Wir springen aber nicht ab sondern segeln weiter bei Ostwind und schönstem Sonnenschein nach Dünkirchen.

                                Yachthafen von Dunkerque

Dunkerque

Auch Dunkerque ist einfach anzulaufen. Die Sände vor der Küste sind gut betonnt und bilden keine Probleme. Man fährt ziemlich weit rein und liegt dann sehr schön geschützt hinter hohen Mauern. Dunkerque hat traurige Berühmtheit zu Beginn des WKII erlangt als letzter Brückenkopf für den Rückzug der Britischen Truppen. Heute macht der Ort aber einen netten Eindruck . Obwohl man keinen Reichtum und Bürohochhäuser sehen kann wie in vielen anderen Hafenstädten wirkt alles ordentlich gepflegt.







Wir sind hier ja auch nicht in einem Seebad sondern in dem ehemals drittgrößten Hafen Frankreichs. Bei der Hafenanmeldung fällt mir die Freundlichkeit der Mitarbeiter auf, mit denen man sich sogar auf englisch verständigen kann, was sonst praktisch unmöglich ist.

                                          Jean Bart, Schmuggler und Freibeuter

Nach diesem sehr angenehmen Aufenthalt binden wir nachmittags ab und treiben langsam nach Calais.

Nach einer schönen Fahrt an der Küste wird es jetzt nochmals Aufregend. In Calais laufen fast im Minutentakt die Fähren nach und von Dover ein und aus. Ich achte darauf sorgfältig außerhalb oder am äußersten Rand der Einfahrt zu fahren. Ich melde mich auf dem Arbeitskanal für die Einfahrt in den Yachthafen an, bekomme aber keine Antwort..... oder doch?? Die Ampel geht auf "grün" --nur für mich. Also rein und gleich rechts rum. Calais kennen wir noch vom letzten Mal, wir fahren nicht in den Yachthafen sondern binden an die Bojen vor dem Hafen an, die der örtliche Verein dort nur für uns ausgelegt hat. Zum Beine vertreten paddeln wir kurz mit dem Schlauchi an Land.

Morgens folgen wir ausfahrend einen Franzosen, der ordentlich um die Ausfahrt anruft, die Ampel geht auf "grün" und wir laufen aus. Da wir weiter nach Südwesten wollen halten wir uns ordentlich außerhalb des Fahrwassers an Backbord um mit den einlaufenden Fähren klar zu kommen. Die Auslaufenden fahren ja auf der anderen Seite. Nach kurzen 22 nm kommen wir nach Boulogne-sur-Mer.



An der Küste sehen wir jetzt zunehmend alte Bunker der Verteidigungsanlagen. Die Küste ist hier auch plötzlich rauher. Die ersten bisher an dieser Seite noch nie gesehenen Steilhangabbrüche sind zu sehen. Schon bald sehen wir die gewaltigen Molenanlagen der Einfahrt nach Boulogne-sur-Mer . Doch Vorsicht. Die Mole ist teilweise unterbrochen, weil beschädigt. Als Schnibbelkünstler ist man verleitet gleich die erste Öffnung zu versuchen. Man würde leider auf ein großes Flach auflaufen. Also fahren wir geduldig weiter bis uns rote und grüne Farben anzeigen wo wir rein dürfen. Gleich an Steuerbord geht es in den Industriehafen, wir holen die Segel ein und motoren geradeaus weit in den Hafenkanal wo auf der rechten Seite der Yachthafen liegt.

Der Hafenmeister steht draußen auf dem Steg und weist uns einen passenden Platz zu. Sehr freundlich alles, man fühlt sich gleich willkommen.





Boulongne-sur-Mer

Wir machen gleich mal eine Spaziergang in die Stadt. In einem Lokal werden an mehreren Tischen Muscheln gegessen. Das ist für mich ein Zeichen- hier müssen sie gut sein. Gehen wir also Muscheln essen. Preiswert waren sie auch noch, der üppig gefüllte Topf kostete ca. 15 €

                                leggar


Wir haben noch Zeit für einen Stadtbummel und sehen eine sehenswerte Stadt mit viel Leben und Einkaufspassagen.





Dieses wird jetzt unser Absprunghafen. Das Wetter bleibt noch gut mit Ost-Nord-Ost-Wind mit 3 Bf und Sonnenschein und stabiler Hochdrucklage.

Morgen geht es nach England.



Wir binden früh ab und motoren aus der Hafeneinfahrt von Boulongne-sur-Mer und wir verabschieden uns von Frankreich. Unser Kurs geht ziemlich genau nach Westen, quer über den Englischen Kanal. Im Hinterkopf habe ich noch, dass die Verkehrstrennungsgebiete im rechten Winkel und zügig gequert werden müssen. Mein AIS hilft mir sehr gut weiter die zunächst von West nach Ost laufenden Schiffe zu sehen und die Geschwindigkeiten einzuschätzen. Da sehr wenig Verkehr ist queren wir das erste Gebiet auch schnell. Dann folgt eine neutrale Zone in der sich Fischer aufhalten. Hier halte ich schon mal etwas vor, um auf der Ost nach West Trennung in einem leichten Winkel zu schnibbeln. Man wird auf dem Radar von der Revierzentrale sicher beobachtet, aber da ich sehr weit von anderen Schiffen mich befinde riskiere ich es. Schließlich ist recht flauer Wind und da sind Umwege doppelt so nervig. Ich muss sogar noch kurz auf dieser falschen Seite in Gegenrichtung halten, da außerhalb noch ein kleinerer Frachter fährt. Würde ich das nicht machen käme ich ihm zu nahe.

Die magenta Pfeile zeigen die Fahrtrichtung des Trennungsgebietes an


Nach 46 nm und zwei Motorstunden kommen wir in Eastbourne an. Tide und Strom bereiten uns keine Probleme. Wir kommen 1,5 Std. vor Hochwasser an. Auf Nachfrage erfahre ich dann, dass die Einfahrt auch bei Niedrigwasser eigentlich noch 3 m tief sein soll.



Die doppelte Schleuse ist 24 Std. am Tag besetzt. Ich melde mich auf UKW an, die freundliche Antwort ist man hätte mich gesehen und das Tor wird gleich geöffnet.



Kurze Zeit später fahren wir in den Hafen. Schon in der Schleuse kommt eine Hafenkraft und notiert uns um uns dann einen Liegeplatz zuzuweisen. Es geht wohl mehr um die Erfassung der Gäste und deren Ankunft, denn im Hafen gibt es reichlich freie Plätze an Schwimmstegen. Wir genießen unsere Ankunft mit einem leckeren Sherry.

Der Hafen von Eastbourne liegt etwas außerhalb der eigentlichen Stadt

Eastbourne

Ein Fischerdorf mag hier wohl schon immer gelegen haben. im hinteren Becken finden sich einige Fischer und eine kleine Fischverwertung. Der Ort selbst, mit dem Hafenbecken, den Häusern ringsum als Gemisch von Ferienwohnungen und Wohnhäusern mit der höflichen bitte die Wohngebiete nicht zu betreten. In Hafenumgebung finden sich ausreichende Lokalitäten und ein überraschend großes Einkaufszentrum. Wir machen nach dem Dinner einen Besichtigungsrundgang, haben dann aber schon alles gesehen. Die Hafengebühren entrichte ich im Schleusengebäude. "sportliche" 29 GBP die ca. 40 € entsprechen. Dennoch besichtigen wir am nächsten Tag die Stadt Eastbourne.

Wir packen mein Fahrrad aus und Gretels Roller, und radelnrollern an der sehenswerten Uferstraße knappe fünf Kilometer bis zum Beginn der Promenade. Dazwischen sehen wir Fischerboote am Strand liegen. Das gibt es an sehr vielen Stellen, hier sind es nur kleinere, in Dänemark habe da schon recht große liegen gesehen. Wie aber kommen die Boote an Land?? Gleich sollten wir Zeugen eines solchen Manövers werden.

Bitte auf das Video klicken:




Nach einer weiteren netten Fahrt schließen wir unsere Fahrzeuge an ein Geländer der Promenade und schlendern zu Fuß weiter nach Eastbourne.






Den Häusern an der Straßenseite sieht man ihre vergangene Blütezeit an. Sie wurden einmal mit viel Geld und Aufwand hergestellt. Aber alle sind gepflegt und gut erhalten. Mich begeistert ganz besondes die Promenade und ihre Blütenpracht und überall Palmen. Ich bin im mediterranen Südengland angekommen. Winterstürme, die es auch hier geben wird, ignoriere ich jetzt mal. Wir kommen langsam zur Pier von Eastbourne. Zu unserem entsetzen hörten wir von dem Brand auf der Brücke, wo am 30 Juli 2014, also vier Wochen nach unserem Besuch, fast ein Drittel abgebrannt sind. Die vordere Spielhalle ist völlig zerstört worden.

Hier sind also noch Bilder von vor dem Brand.










Die Blütezeit von Eastbourne und der Pier war die Fertigstellung 1870 bis spätestens 1970. Die Londoner Oberklasse sollte hier flanieren und sich wohl fühlen. Damals üppig und aufwändig gebaut muss heute für den Erhalt gesorgt werden. In der vorderen Halle was ein reines Spielkasino unter gebracht, leider nicht in einem Stil wie Sun City sondern eher einfacher. In dem hinteren Teil sind weitere Lokale wie Teehaus und Bar zu finden. Spätestens mit der Zeit des Pauschaltourismus war die Blütezeit vorbei. Durch Industrie und Handel ist Eastbourne eine lebhafte und attraktive Stadt geblieben. Sie ist auch immer noch ein Seebad und eines der Haupteinnahmequellen ist der Tourismus.





Wir flanieren wie die Coutess Gretel und der Earl of Olly, wie ehedem der Duke of Devonshire, weiter entlang dieser wirklich schönen Promenade. Unterbrochen von einem Kaffee- (nicht Tee) Häuschen und genießen einen schönen Kaffee mit einem leckeren Apfelküchlein. Wir kommen dann zu einer alten Festungsanlage um die ein ebenfalls sehr gepflegter Park angelegt ist.



Nun schauen wir uns aber die Stadt an.



Wir finden eine normale Stadt vor, viele Läden, viele Leute und ein Lokal. Zeit für Lunch.



Gesättigt und zufrieden kehren wir langsam zum Boot zurück. Das waren viele neue Eindrücke heute, unsere Erwartungen sind noch übertroffen worden.

Wir packen Fahrrad und Roller ein. Am nächsten morgen binden wir ab und tuckern in die Schleuse.

Da wir jetzt an der Küste entlang segeln, beachten wir doch die Tide und Strömung mehr als wenn wir nur das Fahrwasser queren. Hochwasser ist vorbei, der Strom wird bald einsetzen als wir unseren Kurs aufnehmen. Wir segeln bei schönsten Sonnenschein, Wärme und 2-3 Bf an den Kalkfelsen entlang, 20 nm bis nach Brighton.

Beachy Haed
Die sieben Schwestern

Brighton

Wir kommen nach Brighton und suchen die Einfahrt. Schon von weitem sieht man dieses gewaltige Bollwerk. Es zieht sich den ganzen recht großen Hafen entlang und bietet dadurch natürlich allerbesten Schutz bei Sturm. Die Einfahrt hätte ich nun eher gen Nordost gesucht, sie ist aber recht weit im Südwesten sehr geschützt herum geführt. Man sieht also nur diese mächtige Anlage. Tonnen und andere Hinweise fehlen völlig. Bei schon etwas abgelaufenen Wasser biegen wir also in die Einfahrt ein. Auf den den Anruf verzichte ich, die Gästesteiger sind gut markiert und bieten ausreichend viele Plätze.

Links im Bild ist die gewaltige Schutzanlage zu sehen.

Wir machen uns auf den Weg zu der fünf Kilometer langen Promenade.



Es ist etwas verwirrend zu Fuß aus dieser Hafenanlage zu kommen. Viele Lokale, Kinos und Parkhäuser Straßen und Busfahrspuren müssen umgangen werden bis man auf dem richtigen Weg ist.



Wir tappern also die eindrucksvolle Promenade entlang die früher wohl mal aus drei Ebenen bestand.



Langsam kommen wir zur Seebrücke.


Vor dem Eingang ist ein Riesenrad aufgebaut ganz am Ende ist ein Rummelplatz Marke Hamburger Dom mit Achterbahn und Karussell.




Zahlreiche Restaurants, Bars, Eisdielen und anderen Vergnügungen sollen Touristen anlocken. OK, es klapt ja auch. Es ist viel Volk auf der Pier. Wir vermissen hier den Charme der alten Zeit, den man in Eastbourne noch erahnen konnte--- es war auch leiser dort. Ich sehe aber ein, dass ein Publikumsmagnet notwendig ist. Die Pier muss erhalten werden und das kostet richtig Pounds. Die Seebrücke ist auch in einem ordentlichen Zustand, man sieht einige Handwerker Bohlen auswechseln und Geländer streichen. Sorgfältig darauf achtend dass die Touristen nicht übermäßig gestört werden.






Wir machen noch einen kleinen Bummel durch die Stadt und sehen viel Leben und viele Touristen. An den Gebäuden, Straßen und Plätzen kann man sehen, dass hier alles mit viel Geld aufgebaut wurde. Sicher werden noch immer viele Londoner ihren Urlaub hier verbringen.




Auf unserm Weg zurück können wir nicht an einem typisch englischen Pub vorbei gehen. Man geht hinein an die Theke, bestellt sich ein Pint (0.56826 ltr.) aus den oft 3 oder mehr angebotenen Biersorten, bezahlt einen moderaten Preis, nimmt sein Bier und sucht sich einen Platz. Auf dem Barhocker, einem Tischchen oder wie wir-- draußen. Wir genießen unser Bier und das Leben um uns herum.



Wir verlassen den Hafen bei auflaufenden Wasser und sind bald in Eastbourne. Wir füllen noch einige Vorräte im Einkaufscenter ein-- macht Spaß durch dieses Riesensortiment zu kucken. Bei Niedrigwasser und vor einsetzen des Stromes sind wir draußen, wir wollen nach Dover. Hier nutzen wir eine Besonderheit der Tide. Während von Niedrigwasser bis Hochwasser eigentlich 6 Stunden ca. 12 Minuten vergehen, kommt hier der enger werdende Kanal hinzu. Vor Dover ist deshalb ein höherer Tidenstrom aber auch eine höhere Verzögerung des einsetzenden Stromes. Das macht hier bis zu 5 Stunden aus. So kommt es also dass wir für die 46 nm bei wenig Wind rund neun Stunden brauchen, diese aber bei schönem Strom mit uns haben. So hatten wir einen schönen Segeltag, der von einem Zwischenfall unterbrochen wurde. Wir träumen so bei Sonne, wärme und wenig Wind dahin, der Pinnenpilot steuert uns----- direkt in ein Sperrgebiet. Ein Schlauchboot kommt auf uns zugeflitzt und macht uns in der den Engländern höflichen Art darauf aufmerksam und bittet (!!) uns das Gebiet zu umfahren. Ich bitte mehrmals (in der mir eigenen höflichen Art) um Verzeihung und korrigiere den Kurs. Man wünscht uns eine gute Weiterfahrt. So war selbst diese Begegnung eine angenehme.


Dover


Dover ist nicht wirklich attraktiv, es sei denn man besucht Dover Castle und interessiert sich für die Geschichte des Kastells.



Nächsten Tag um 11 Uhr ist die Tide günstig um das Granvill Dock zu verlassen. Weil wir nach Ramsgate wollen queren wir die Fährlinie. Die Fähren lassen uns in Ruhe und wir können den Anblick der Kalkfelsen von Dover genießen. Nach 16 nm sind wir in Ramsgate angekommen.

Ramsgate

Die Einfahrt nach Ramsgate ist nichts für träumende Segler. Der Strom nach Norden hat inzwischen voll eingesetzt und wir navigieren zwischen den Sänden. Da ich der Genauigkeit von Seekarten und den Tiefenangaben generell nicht traue fahre ich an sicherer Stelle in den Tonnenweg. Ich starte den Motor um mit ca. sieben Knoten in einem gefühlten Winkel von 45° in die Hafeneinfahrt hinein zu fahren. Der Querstrom hat mich in seiner Stärke doch etwas überrascht. In dem sehr großen Hafenbecken bergen wir die Segel und binden Fender an. Uns erwartet natürlich wieder ein Schwimmsteg in dem sehr großen und leeren Yachthafen. Der in früheren Zeiten starke Fährverkehr von Holland, Belgien und Frankreich wurde letztes Jahr (2013) komplett eingestellt. Heute ist der Hafen mit Katamaran- Arbeitsschiffen der Offshore Windanlagenbauer genutzt. Stört uns Yachties aber nicht weiter. Wir zahlen den auch hier recht üppigen Hafenobolus und finden, wie in allen besuchten Yachthäfen, alte aber saubere sanitäre Anlagen mit extrem heißen, nicht regelbaren Wasser in den Duschen. Ich mag das, kann aber nicht jeder ab.



Wir machen zuerst einen Hafen- und Stadtbummel und verspeisen (zu letzten Mal) English- Fish 'n Chips mit Essig (natürlich).
Unterhalb dieser schrägen Fahrbahn vom Hafen in die Oberstadt ist uns die Schrift "Ramsgate Home for Smack Boys" aufgefallen. Der Seiteneingang ist offen und lädt in die "Sailors Church" ein. Sowas macht mich neugierig. Wir schlendern hinein. In einem großen Raum steht Kirchengestühl, ein kleiner Altar und alte SW- Fotos des Hafens hängen an den Wänden. Wir werden von einer Frau angesprochen, ob wir einen Tee möchten, natürlich merkt sie gleich dass wir Ausländer sind und erzählt uns die Geschichte dieser Kirche.



Die Kirche selber ist wie jede andere Kirche in den Hafenstädten für das Seelenheil der Aus- und Einfahrenden Seeleute und Fischer zuständig. Die Smack Boys gehören aber in die weniger rühmliche Geschichte Englands. Wir wissen allgemein dass es in England schon zu frühen Zeiten Kinderarbeit der extremen Art gab. Schon zu früher Zeit wurden besonders die Jungens bei ihrer Taufe für einen kleinen Betrag -- auch wenn fünf Pfund für das arme Volk viel war-- dem Grubenbesitzer, Farmer oder einem anderen Arbeitgeber, zur Arbeit von ihrem neunten bis zum einundzwanzigsten Geburtstag verkauft. In der Regel aus der Not heraus, damit die Familie weiter überleben konnte. So auch diese Jungens. Sie mussten auf Fischerbooten nur für Kost und Logis arbeiten. Lag das Boot dann im Hafen, mussten die Jungens das Boot verlassen. Nach Hause konnten sie nicht, ohne Geld saßen sie auf der Straße. Die Kirche hat also hier in den oberen Räumen Schlafstätten eingerichtet da konnten sie dann für die Hafenliegezeit eine Bleibe finden und sie wurden auch mit Nahrung und neuer Kleidung versorgt.



Auch der nächste Tag bringt uns wieder Sonne und Wärme. Wir packen das Fahrrad und den Roller aus und rollern Richtung Margate.

Die Küste von Dover- Ramsgate- Broadstairs- Margate

Wir rollernradeln eigentlich ohne Plan los und sind schnell von der Landschaft begeistert. Sattes Grün und gepflegte Gärten und Parks wechseln sich ab. Wir sehen endlich mal viel Landschaft.











Das nächste Seebad ist Broadstairs. Hier scheint noch alles wie in früheren Zeiten zu sein. Hier hat sich die Gemütlichkeit erhalten. Die Promenade kommt zunächst von oben und führt dann hinunter bis ans Wasser.




Margate

Wir kommen langsam Margate näher. Ein einsam stehender Kiosk wird von zahlreichen Leuten angesteuert. Beim Näherkommen sehen wir lecker Speisen auf den Tellern. Unser plötzlich einsetzender Hunger lässt uns anhalten und wir bestellen uns einen Toast. In der offenen Kombüse arbeiten vier Frauen an der Speisenzubereitung. Unser Toast bestellen wir aber nicht nach Speisekarte, sondern nach dem was wir gerne in diesem hätten. Es wird lecker zubereitet und wir verspeisen unseren Lunch vor einer herrlichen Kulisse.






Weiter gehts....



....und kommen an einem ehemaligen Freizeitpark vorbei. Die Zeit hat den kleinen Park nicht überlebt.

Wir biegen jetzt von der Uferstraße ab und wollen uns die Innenstadt ansehen. Der Marktplatz ist klein und gemütlich, viele Tische sind herausgestellt. Leider macht sich ein unagenehmes Problem bemerkbar. Gretel hatte sich von dem Roller. auch wenn er Luftbereift und für Erwachsene gemacht ist, eigentlich mehr versprochen. Das Standbein mit dem dazugehörigen Knie macht ihr nun doch arg zu schaffen. Immerhin sind wir ca. 10 Km hergebummelt.


Der Hafen einmal mit Wasser.

Wir spazieren noch ein wenig durch die Stadt und sehen uns die Häuser an, halten aber Ausschau nach einer Bushaltestelle. Hier in der Grafschaft Kent gibt es "The Loop " die Schleife, die in recht kurzen Abständen eine Schleife nach Ramsgate fährt. Sehr preiswert (2 GBP) und gut besucht. Gretel klappt ihren Roller zusammen und ist schnell zurück nach Ramsgate. Ich fühle mich noch fit und radel langsam zurück. Zunächst... wo ist der Hafen?? Und... wo ist das Wasser?? Wo ist ein Pub??








Ich fahre also die Küste zurück und genieße noch einmal diese wunderschöne Gegend. Nach einer reichlich langen Zeit komme ich an Bord zurück. OK , war anstrengend mit so einem kleinen Fahrrad, aber eine tolle Möglichkeit so eine Küste zu genießen. Spätnachmittags gehen wir noch einmal in einen Pub um ein Abschiedsbier zu trinken. Ein kleiner gemütlicher Pub voller freundlicher Einheimischer, die uns fragen woher wir kämen wohin wir wollen. Wieder einmal fühlen wir uns willkommen in England.

Die Rückfahrt gestaltet sich auch unproblematisch, von Ramsgate steuern wir einen direkten 57 Meile langen Kurs, mit Blick auf die Sände, nach Oostende und über Holland geht es dann zurück nach Heiligenhafen.

ENDE

1 Kommentar:

  1. Moin Olly,
    habe ich nun sogar schon in der Wiederholung gelesen. Quasi als Vorbereitung auf eigene Träume. Gruß Klaus

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