Oslo 2007

Meine Segelreise nach Oslo im Sommer 2007

                                                                                  Von ollyo, Heiligenhafen ©

Da kommen Riesenwellen auf mich zu. Ich blicke noch schnell über das Deck ob alles festgebunden ist und in den offenen Einstieg. Aber jetzt noch schnell etwas klarieren dazu ist es ohnehin zu spät. Ich bin Einhand unterwegs und kann nicht schnell mal unter Deck um den Obstkorb zu sichern. Das muss man vorher machen, auch wenn man mit einem Pinnenpiloten ausgerüstet ist. Also lass sie kommen.

Ich bin Anfang Juni 2007 losgefahren von Heiligenhafen, meinem Heimathafen, und komme am ersten Tag bei  schönem Ostwind bis zu der kleinen Insel am Smalandsfahrwasser OMØ. Hier ist es in der Hauptsaison voll. Jetzt kann ich mir einen Platz aussuchen.

Am nächsten Morgen geht es früh weiter, abends ankere ich vor SEJERØ. Der Wind hat leider im laufe des Tages bis auf zwei Bf nachgelassen. Der Vorteil bei wenig Wind ist dann, dass man sich unterwegs etwas Nettes zu essen brutzeln kann. Als ich dann einmal bei dem obligatorischen Rundblick an Deck etwas Treibendes im Wasser sehe muss ich den Kochvorgang kurz unterbrechen. Da schwimmt etwas längliches, kann eine Fischfahne sein die sich losgerissen hat. Also erst einmal den Kurs leicht nach Backbord und näher heran. Ich fische doch tatsächlich einen einsam treibenden Pekhaken aus dem Wasser. So was kann man doch nicht weiter schwimmen lassen. Einen Ersatz- Pekhaken kann man immer gebrauchen.

Nächsten Tag möchte ich gerne direkt nach Anholt, aber der Wind bringt bloß ein laues Lüftchen, nach zwei Stunden kann ich noch immer meinen Ankerplatz sehen. Also fahre ich nur bis Grenå. Auch dieser Hafen ist noch richtig leer, einige Schiffe liegen längsseits an den Schwimmstegen. Ins Kattegat- Center sollte man einmal gehen aber das werde ich später einmal nachholen. Den Kommunalhafen finde ich nicht so toll, Abwrackwerften sind wie Friedhof und die Stadt ist zu weit. Bei einem Spaziergang nach dem Essen über die Stege sehe ich doch ein bekanntes Boot: Karl und seine Frau sind da, und Karl hat auch noch heute Geburtstag. Das ist natürlich eine Überraschung. Karl und seine Frau begrüßen mich herzlich und laden mich natürlich zu einer kleinen improvisierten Geburtstagsparty ein. Das war ein wirklich netter Abend.

Dann geht es nicht ganz so früh weiter, meine Freunde wollen nach Norden an Jütlands Küste hoch, und ich will weiter nach Anholt. Die 26 Meilen muss ich fast komplett unter Motor fahren weil der Wind total eingeschlafen ist. Es ist inzwischen richtig warm geworden so dass ich nach Ausbringen des Heckankers und Anschalten der Kühlbox erst einmal die Wassertemperatur teste. Badewasser ist fertig. Raus aus der Hose und rein ins Wasser. Anholt ist nichts für die schnelle Durchreise, einen Hafentag muss ich hier einlegen. Ich gehe baden, mache einen Spaziergang ins Dorf, gehe dann wieder baden. So fängt der Sommer ja sehr schön an.


Weiter geht es genau Richtung  Norden. Nach ca. 60 Meilen habe ich dann Schweden erreicht. Meine erste Insel heist SELEN. Von hier geht es noch ca. 8 Nm durch gut betonntes Fahrwasser nach Göteborg. Ich binde gerne in Langedrak vor Göteborg an. Der Hafen ist schön groß, man findet immer einen Liegeplatz und hier kann man zusehen wie die Schiffe für das Swedish- Match ausgerüstet werden. Ich bin im ersten Jahr einmal die 7 Meilen weiter in die Innenstadt von Göteborg nach Lilla Bommen gefahren, aber der Hafen ist fürchterlich eng und  der Verkehrslärm stört mich. Ich bleibe lieber draußen in den Schären. Vom Hafen Langedrak geht man die 100m zur Straße, steigt für 20 SEK in die Straßenbahn und genießt die etwa 25 minütige Fahrt durch die Vororte in die Innenstadt. Ich steige Brunsparken aus und schlendere erst einmal in die Nordstan. Das ist ein riesiges Einkaufszentrum mit zahlreichen einzelnen Läden auf mehreren Etagen. Am anderen Ende angekommen geht es eine Rolltreppe hoch, den überdachten Überweg über diverse Straßen der ehemaligen Tunnelbaustelle -heute Götatunnel- hinüber nach Lilla Bommen. Hin muss ich da immer erst einmal, nachsehen welche Schiffe da liegen. Mehr als ein bis zwei Deutsche Boote habe ich da noch nie gesehen.


Man kann jetzt an der Oper entlang zum Museumshafen gehen und sich alte Schiffe ansehen. Aber da mein Magen knurrt wie ein Dobermann drehe ich um und gehe zurück ins Nordstan zum Italiener. Hier will ich zum DagensRet. Für den Preis von SEK 69: bekommt man ein Letöl, Salat, Chicken Wings und verschiedene Pizzen vom Bufet. Soviel man essen kann. Der Salat ist das Beste. Später in Skärhamn gehe ich gerne zum Thailänder zum DagensRet. Hier gibt es dann aber auch noch Kaffee med potor (mit Zugabe- soviel du möchtest) aber kein Bier.

Danach  rolle ich mich die Treppe hinunter und wandere in die Einkaufsstraßen. Ich gehe von Lilla Bommen aus gesehen über Nordstan weiter die Richtung nach Süden zu. Nach zwei Straßen kommt man zu den alten Wallanlagen. Diese sind schiffbar und werden von den Paddan Ausflugschiffen befahren. Irgendwann werde ich auch hier einmal eine Rundfahrt mitmachen, später. Jetzt schlendere ich die Avenyn hoch zum Theater und dem Museum. Wenn man von hier  zurückblickt auf die ganze Avenyn, dann sieht man die Ähnlichkeit mit der ChampsElysèes in Paris. Leicht abfallend und links wie rechts Geschäfte und Restaurants. Überdacht, halb auf die Straße gebaut, richtig gemütlich. Ein tolles Flair. Da ich noch pappsatt bin kehre ich in den Irish Pub ein zu einem lecker Guinness.



Ich gehe wieder zurück bis zu den Wallanlagen und halte mich dann kurz links. Hier komme ich zum Nytorv und der Salühallen. Weiß jetzt nicht wann sie gebaut wurde aber sie sieht nett verschnörkelt auf wie man es in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts gebaut hat. Es ist ein Einkaufszentrum für gehobene Leckereien mit zahlreichen Speisemöglichkeiten. Man könnte es als Gourmet- Tempel bezeichnen. Auch hier gibt es Tagesgerichte zu kleinen Preisen.


Mein Spaziergang geht dann noch weiter durch die Einkaufsstraßen in Richtung Dom (Domkirka). Am und im Dom ist immer ein lebhaftes Treiben kirchlicher Art. Ich habe hier schon Hochzeiten beobachtet, eine Priesterweihe oder auch nur geselliges Kaffeetrinken alter und junger Leute. Ich habe hier immer das Gefühl, dass die Kirche ihre soziale Aufgabe hier noch sehr ernst nimmt. Ich steige  dann hier in die Straßenbahn und fahre wieder zurück in den Hafen. An Bord brauche ich erstmal ein Bier und einen Schemel für die Füße.

Eigentlich fangen hier in Göteborg die Schären erst richtig an. Ab jetzt ist nur noch sorgfältige Schärensegelei angesagt. Aufmerksam fährt man am nächsten Tag quer über die Göta Elv mit ihren zahlreichen Fahrrinnen, Tonnen und Untiefen. Der Motor ist startbereit, um schnell einer der großen STENA- LINE Schiffen ausweichen zu können. Belohnt wird man nach der Querung dann mit einer schönen Ansicht auf Villen reicher Göteborger die ihre Häuser so auf die Felsen gebaut haben dass sie einen wunderbaren Blick auf das muntere Treiben auf dem Wasser haben. Weiter geht es durch den Kalvsund, vorbei an Fischerhütten und Wohnhäusern. Mein nächster Hafen ist Marstrand.

Schon die Einfahrt ist aufregend. Man lässt Langö links, in einem großen Bogen eine grüne Tonne links und sucht dann auf "Kommissen" ein grün angepinselten aus Felsen gemauerten Pylon. Das ist die Einfahrt zum "Albrektsunds Kanal". Der ist richtig eng und man muss auf Entgegenkommer achten. Zunächst fährt man nur durch einen Kanal der durch die Felsen gesprengt wurde bis nach wenigen Kabellängen erst die Festung, dann die die ersten Gebäude und dann das volle Leben in Marstrand zu sehen ist. Hier könnte man einen Hafentag einlegen, besonders dann, wenn hier gesegelt wird. Irgendwelche Regatten finden hier immer statt. Marstrand ist das Mekka der Segler.

Auch die Bohus- Festung muss man sich ansehen. Von oben hat man einen großartigen Rundblick über das Land und die Schären. In den kleinen Läden am Fuße der Festung kann man schoppen gehen. An der Kaimauer sind Tische und Stühle aufgestellt und es herrscht wieder dieses mediterrane Flair, so stark ist es nur hier an schwedens Westküste ausgeprägt. Ich genieße es hier zu bummeln. Zumal bei diesem Sommerwetter



Übernachten möchte ich aber nicht im Hafen, denn der Betrieb wird in dieser Nacht nicht abbrechen, Speed- und andere Motorboote werden die ganze Nacht über hin und her fahren. Mich zieht es auf einen ruhigen Ankerplatz. Gleich nördlich von Marstrand ist eine schöne Ankerbucht, ca. 1,5 Meilen Fahrt. Der Heckanker fällt auf drei Meter Tiefe, und mit dem Bug kann ich an einem Stein festmachen.

Weiter geht es an Bockholmen vorbei nach Skärhamn. Hier gehe ich nur zum Thailänder wie schon erwähnt und fahre dann weiter. Meine nächste Station ist Hunnebostrand. Die wirklich sehenswerten Städte  wie Lysekil mit seiner überragenden Kirche, Möllosund mit der Fischersfrau aus Holz sowie Smögen mit seinem urigen Hafen lasse ich aus. Diese hatte ich mir schon in früheren Jahren angesehen. In Hunnebostrand wurde in früheren Zeiten der rote schwedische Granit abgebaut. überall sieht man noch die Schutthalden liegen. Hierbei fällt mir die Geschichte ein: Die Nazis hatten für ihre siegreiche Beendigung des Krieges schon  große mengen Granitblöcke  bestellt  - und auch bezahlt. Geliefert wurden die Blöcke dann aus den bekannten Gründen nicht. Der Kaufpreis wurde aber später auch zurückerstattet.

Der Hafen von Hunnebostrand ist mir zu voll, ich fahre zwei Meilen weiter in eine herrliche Ankerbucht.



Bevor ich dann in den Hamburgsund komme liegt links noch die oft überfüllt Ankerbucht Danemark. Durch den Hamburgsund wird motort, weil der Sund sehr im Windschatten liegt und die dort verkehrende Linfähr hat Vorfahrt. Der Sund ist sehr schön, aber wie ich finde eigentlich nur von der Wasserseite. Einkaufen und Tanken kann man dort gut wegen der kurzen Wege zum Steg.


Nach dem Hamburgsund biegt man rechts 90 Grad ab. Die Letzte der kleinen Inselgruppe ist Stennungsholm. Hier liegt der Hamburger Heimatdichter GORCH FOCK mit zwölf anderen teilweise namenlosen Soldaten begraben. Sie sind in der Skagerkschlacht im ersten WK an Bord der Wiesbaden ums Leben gekommen und hier begraben worden. Man kann die Insel nicht anlaufen sondern muss vor ihr ankern und mit dem Beiboot übersetzen. Es ist eine sehr würdevolle Begräbnisstätte. Eine Ähnliche Begräbnisstätte ist für englische Soldaten auf der Insel HANÖ zu finden.



Wenn ich an Stennungsholmen vorbeifahre nehme ich wenigstens die Mütze ab.

Der nächste Ort wäre Fjällbacka. Auch sehr nett aber ich fahre noch etwas weiter in die DYVIK und mache an einem Stein fest. Nächsten Tag geht es nach Grebbestad. Hier wird das Bordfahrrad ausgepackt und ich radele nach Tannumheide. Sechs bis sieben Kilometer. Hier will ich mir die Steinritzungen ansehen die es dort an mehreren Stellen zu besichtigen gibt. Diese aus der Bronzezeit stammenden Figuren sind wahrscheinlich mit einem anderen harten Stein in den Granit gehämmert worden. Wahrscheinlich handelt es sich um Kult- und Opferstätten. Auch eine Begräbnisstätte ist dort auf dem Berg. Diese Ritzungen findet man an vielen Orten in Schweden. Ich habe sie auch letztes Jahr auf Bornholm betrachtet.





Nach Grebbestad bleiben noch die Koster- Inseln oder der Abstecher nach Strömstad. Ich wähle Strömstad. Die Einfahrt ist zwar einfach, aber weil es mehrere Zufahrten gibt die auch noch gut betonnt sind wird es erst einmal etwas unübersichtlich. Der Ort ist aber gut zu sehen also hält man einfach darauf zu indem die Inseln natürlich umschifft werden. Aber ich fahre aufmerksam, denn die großen Autofähren nach Norwegen fahren ein und aus. In Strömstad ist wieder so ein richtig lebhaftes Treiben. Der Grund sind die zahlreichen norwegischen Motorboote, die kurz über das Skagerrak fahren um hier billig – für norwegische Verhältnisse - Bier, Wein und Snaps einzukaufen.  Strömstad ist die letzte Stadt an der schwedischen Westküste und lohnenswert für eine Besichtigung. Zum Übernachten suche ich aber eine der zahlreichen Ankerbuchten auf.

Für viele Schwedenreisende ist hier der End- und Wendepunkt erreicht. Zu Unrecht wie ich finde. Nur wenige Meilen weiter bin ich schon in Norwegen. Ich fahre am nächsten morgen direkt vom Ankerplatz nach OSLO. Der Wind pustet mit angenehmen vier Bf. aus südlichen Richtungen und es ist sehr schön warm.

Unterwegs denke ich an das Erlebnis vom letzten Jahr. Ich war auf der Suche nach einem Ankerplatz und purzel so in den Hafen von Papperholm. Der Hafenmeister begrüßt mich und zeigt mir recht eifrig einen Liegeplatz den ich dankend annehme. Heckanker ist notwendig, der Hafen ist sehr ruhig, hier gefällt es mir. Dann tuckert ein Kleinfischer in den Hafen und kurze Zeit danach kommt der Hafenmeister und fragt mit schwer zu verstehendem Englisch, ob ich (schwedisch) Havkräftor haben möchte- den norwegischen Namen habe ich nicht verstanden. Ich habe dann eine Plastiktüte voll lebender Hochseekrebse bekommen und sollte dafür achtzig Kronen bezahlen. Die Krebse habe ich dann in zwei Partien in meinem Dreilitertopf in Salzwasser mit Lorbeerblättern abgekocht und auch in zwei Partien mit lecker Knoblauchsoße verputzt. Ich hatte ein wenig Angst vor einem Eiweisschock unter dem ich manchmal leide. Aber es ging gut und es war ein großartiges Erlebnis. Wo und wann bekommt man denn lebende Krebse die man dann auch noch selber kochen muss?

Im Oslo Fjord  quere ich jetzt eine Fährverbindung  zwischen MOSS und FYLLINGEN. Ich habe guten achterlichen Wind und fahre Schmetterling mit Ausstellbaum auf Backbord. Kommt mir doch eine Fähre in die Quere. Ich habe sogar den Eindruck, dass sie noch ein wenig den Kurs ändert um mich zum Ausweichen zu zwingen. Das wundert mich doch etwas weil sie auch ohne oder höchstens mit wenig  Kursänderung  problemlos passiert hätte. Die Erklärung habe ich dann gesehen als der Sund einen leichten Schwenk nach Osten macht und ich nicht mehr mit dieser Segelstellung fahren kann: --Ich hatte noch die schwedische Gastlandflagge gesetzt. Das ist dann ja kein Wunder, wenn der Kutscher da so drauf reagiert. Gut, ich war ihm ja auch nicht böse. Aber wenn ich mit Schmetterling segele dann denke ich zuletzt an die richtige Gastlandflagge.
Schuldigung Norweger.

Bei Drobak wird der bisher breite Fjord plötzlich enger. Die Insel Håøya liegt in der Mitte des Fjords. Sie wurde  schon vor den ersten WK zur Festung ausgebaut. Unterirdisch sind hier riesige Kanonen eingebaut. Überirdisch sind „kleine“ Kanonen (Krupps) die drohend nach Süden schauen. 

Hier sind sie nun, die anfangs erwähnten Riesenwellen. Ich habe schon seit einer halben Stunde eine Fähre Color Line aufkommen sehen. Jetzt ist sie an mir vorbei und zieht dabei Riesenwellen hinter sich her. Erst die Bugwelle und dann noch einmal die Heckwelle. Ich habe schon einiges auf der Elbe erlebt an Wellen, aber dieses hier schlägt alles. Auf einem Fluss kann sich die Welle seitlich ausbreiten und schwappt nicht mit voller Wucht zurück. Hier im Fjord ist es eng und tief und das Ufer ist steil. So spiegelt sich die Welle am Ufer und kommt voll zurück. Dabei schaukelt sie Das Wasser wie im Hexenkessel auf. Der immer noch gute Wind stützt die Bewegungen, so dass bald wieder Ruhe einkehrt.

Einige Boote scheinen diese Wellen zu lieben. Aus Oslo kommen jetzt Speedboote  den Fjord herunter. Sie nehmen den Speed bei den Wellen etwas zurück, drehen dann aber gleich wieder auf und brausen mit geschätzten 75 km/h weiter. Ich habe mir die Boote später an der Aker Bruggen angesehen. Es sind Schlauchboote mit einer Sitzreihe für zehn bis zwölf Personen und zwei Fahrern. Motorisiert sind sie mit zwei oder drei Außenbordern auf dem ein großer Aufdruck mit 225 HP zu sehen ist. Mit diesen Dingern wird so just4fun durch den Fjord gebrettert. Ein Preis für diesen Spaß ist leider nicht zu erfahren.

Inzwischen bin ich, wenn auch nach einem langen Segeltag, in OSLO angekommen.





Ich war im letzten Jahr schon einmal hier. Der Hafenmeister erkennt mich wieder, weist mir einen schönen Liegeplatz zu und kommt an Bord um einen Anleger mit mir zu trinken. Auch das Hafengeld bezahle ich mit Warsteiner. Hafenmeister lieben deutsches Bier. Der Hafen ist herrlich ruhig aber verkehrsgünstig gelegen.

Am nächsten Morgen packe ich wieder  mein kleines Fahrrad aus der Hundekoje und fahre auf die Insel Bygdoy, der Museumsinsel von Oslo. Auf dieser großen, der Stadt vorgelagerten Insel sind ein Freilichtmuseum und das FRAM- Museum untergebracht. Letztes Jahr habe ich mir das Freilicht- Museum und die Fram angesehen. Die Fram wurde gebaut um die Nord Passage zu finden. Friedjof Nansen ist es auch geglückt. Man kann das Schiff im besten Erhaltungszustand mit vielen Original Einrichtungsgegenständen betrachten.


Dieses Jahr will ich in das WIKINGER- Museum und danach in das KON-TIKI- Museum. Dann habe ich aber immer noch nicht alle Museen angesehen aber ich will ja noch einmal einen Grund für Oslo haben. Besonders die Wikinger haben es mir angetan. Hier sind mehrere Wikingerschiffe im Original ausgestellt. Alle wurden im Hafenschlick oder  unter Grabhügeln gefunden. Kostbares Geschmeide, Wagen, Schlitten und vieles mehr. Leider haben die Wikinger ihre Geschichte nicht schriftlich Dokumentiert. Sie gelten als ungehobelte raue Gesellen. Wenn man aber sieht, wie fein die Armreifen und Halsbänder aus Gold gearbeitet sind, und wie reich die Goldverzierungen auf dem ausgestellten Wagen sind, dann fällt es schwer daran zu glauben.





Den nächsten Tag verbummle ich in der Stadt. Mit dem kleinen Fahrrad kann man auch hier unheimlich viel sehen. Ich treibe mich zunächst an der Aker Brüggan herum. Hier ist richtig was los. Gaststätten, Einkaufspassagen, Leute, Touristen. Alles neue Gebäude, Baukräne schweben noch über der neuen Oper, ich bin überwältigt, schlendere ein wenig zur Festung hinüber. Dazwischen wird in der parkähnlichen Anlage Bumsmusik produziert. Die konnte man dann auch noch abends weit entfernt hören. . OK, weiter geht’s in Richtung Innenstadt. Auch hier ist ein unheimlich geschäftstüchtiges Treiben. Die Innenstadt scheint nur aus Einkaufstraßen zu bestehen. Und alle haben ein Handy am Ohr. Noch mehr als in Schweden. Um 12:30 geht es zur Wachablösung zum Schloss, dann die Straße hinunter zum Hauptbahnhof. Hier tobt das Leben. . Nach einem kurzen überraschenden Regenschauer, der das Ende des Sommers ankündigt, bummele ich langsam zum Boot zurück. So ist auch dieser Tag wieder randvoll gepackt. Am nächsten Tag binde ich ab und fahre den Fjord zurück. Mein nächster Hafen ist Tönsberg.  

Hier binde ich am Brückenwartesteiger an, um von dort einen Stadtbummel zu unternehmen. Es ist eine hübsche übersichtliche Stadt mit guten Einkaufsmöglichkeiten und einem netten Marktplatz. Rechtzeitig zu einer der seltenen Brückenöffnungszeiten bin ich zurück an Bord und tuckere dann gemächlich an der Stadt und der Kaimauer entlang. Mehrere hundert Sportboote liegen hier vertäut. Der Weg weiter ist dann der Beginn der norwegischen Südküste. Ich werde mir aber auch in diesem Jahr wieder nur in Richtung Süden einen ruhigen Ankerplatz suchen und dann am nächsten Tag über die Koster- Inseln an der schwedischen Westküste zurück in die Heimat fahren. Die vielen Fjorde in Schweden und die Fjorde in Norwegen will ich dann später erfahren.



Zum Nachträumen, zum Nachsegeln aber nicht zum Nachdrucken © ollyo@freenet.de